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1. Januar 2016: Neues Bank-Bail-In-System tritt in Europa in Kraft

Veröffentlicht: 06.01.2016  Autor: Michael Snyder  Beitrag vom: 30.12.2015
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1. Januar 2016: Neues Bank-Bail-In-System tritt in Europa in Kraft

Falls Sie ein Bankkonto irgendwo in Europa haben, dann müssen Sie diesen Artikel lesen. Am 1. Januar 2016 wird ein neues Bail-In-System für alle europäischen Banken in Kraft treten. Dieses neue System basiert auf den Bail-Ins der Banken auf Zypern, welche wir vor ein paar Jahren miterleben konnten.

Sie werden sich erinnern: Von jedem, der mehr als 100.000 Euro auf seinem Bankkonto hatte, wurde Geld genommen um die Banken zu retten. Jetzt werden genau die selben Prinzipien, wie sie in Zypern angewendet wurden, für ganz Europa angewendet. Und da das gesamte globale Finanzsystem an der Schwelle zum Chaos steht, sind das keine guten Nachrichten für alle, die große Geldbeträge auf angeschlagenen europäischen Banken liegen haben.

Weiter unten teile ich einen Teil der Bekanntmachung über dieses neue Bail-In-System, welche direkt von der offiziellen Webseite des Europa-Parlaments kommt. Ich möchte darauf hinweisen, dass sie explizit sagen, dass »nicht abgesicherte Einleger als letztes betroffen« sind. Was sie damit wirklich meinen ist, dass wann auch immer eine Bank in Europa Pleite geht, dann greifen sie auf private Bankkonten zu, sobald die Aktien- und Bond-Inhaber ausgelöscht wurden. Wenn Sie jetzt also mehr als 100.000 Euro in einer europäischen Bank haben, dann hängen Sie potenziell am Haken, wenn diese Bank untergeht.

Die Direktive führt ein Bail-In-System ein, welches sicherstellt, dass die Steuerzahler als Letzte mit der Zahlung der Rechnungen einer angeschlagenen Bank an der Reihe sind. Bei einem Bail-In büßen Gläubiger nach einer vordefinierten Abfolge einen Teil oder ihre gesamten Einlagen ein, um die Bank am Leben zu halten. Das Bail-In-System tritt am 1. Januar 2016 in Kraft.

Das in der Direktive dargelegte Bail-In-Werkzeug würde von Aktien- und Bond-Inhabern erfordern die ersten großen Schläge einzustecken. Nicht abgesicherte Einleger (mit über € 100.000) wären als Letzte betroffen, in vielen Fällen selbst nachdem der von Banken finanzierte Abwicklungsfond und der nationale Einlagensicherungsfond – in dem Land in dem sich die Bank befindet – eingegriffen haben, um dabei zu helfen die Bank zu stabilisieren. Kleinere Einlagen würden in jedem Fall explizit von einem Bail-In ausgenommen sein.

Und wie wir in der Vergangenheit erlebt haben, können sich derartige Regeln inmitten einer großen Krise über Nacht verändern. Sie mögen also versprechen, dass jene mit unter 100.000 Euro im Moment sicher sind, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass dies auch wahr ist.

Es ist auch wichtig festzustellen, dass es zu wirklich großer Eile kam, um all dies noch bis 1. Januar einzuführen. Tatsächlich hat die EU-Kommission Ende Oktober sogar sechs Nationen verklagt, die die entsprechenden Gesetze für die Umsetzung der neuen Bail-In-Regeln seinerzeit noch nicht verabschiedet hatten.

Die EU-Kommission leitet rechtliche Schritte gegen Mitgliedstaaten wie die Niederlande und Luxemburg ein, nachdem sie versäumt haben Regeln zu implementieren, die europäische Steuerzahler davor schützen Bankenrettungen in Milliardenhöhe finanzieren.

Sechs Länder werden vor dem Europäischen Gerichtshof für ihr kontinuierliches Versäumnis verklagt, die Bail-In-Gesetze der EU zu nationalem Recht zu machen, so die EU-Kommission am Donnerstag.

Warum also war die EU-Kommission unter solchem Zeitdruck? Gibt es einen speziellen Grund dafür, warum der 1. Januar so wichtig ist? Ich werde genau das sehr genau beobachten.

Derweil gab es auch in den USA große Veränderungen. Die Federal Reserve hat kürzlich eine neue Regel eingeführt, die ihre Möglichkeiten zum Bail-Out der “Too-Big-To-Fail“-Banken einschränkt. CNN schreibt:

Die Federal Reserve kappt ihre Rettungsleine für in Schwierigkeiten geratene große Banken. Die FED hat am Montag offiziell eine neue Regel eingeführt, mit der ihre Fähigkeit Notfallgeld an Banken zu verleihen beschnitten wird. Theoretisch sollte die neue Regel die Auffassung zunichte machen, dass Wall Street-Banken “zu groß zum Scheitern“ sind.

Wenn diese neue Regel während der letzten Finanzkrise in Kraft gewesen wäre, hätte die Federal Reserve AIG oder Bear Stearns nicht aus der Patsche helfen können. Das Endergebnis der letzten Krise wäre wohl ganz anders gewesen. CNN weiter:

Mit der neuen Regel können Banken die bankrott gehen oder den Anschein erwecken, dass sie bankrott gehen werden, unter keinen Umständen mehr Notfallgelder von der FED bekommen. Wenn die Regel während der letzten Finanzkrise bereits in Kraft gewesen wäre, dann hätte sie verhindert, dass die FED dem Versicherungsgiganten AIG und Bear Stearns Geld geliehen hätte, betonte FED-Chefin Janet Yellen.

Wenn die Federal Reserve diese großen Finanzinstitute während der nächsten Krise also nicht raushauen wird, was wird dann passieren? Werden wir “Bail-Ins“ im europäischen Stil erleben, wenn große Banken anfangen zu scheitern? Und wie genau würde so ein “Bail-In“ aussehen? Anfang dieses Jahres hatte ich das Konzept eines “Bail-In“ vorgestellt:

Was im Grunde passiert ist, dass Vermögen von den relevanten Akteuren innerhalb der Bank an die Bank selbst transferiert wird, um sie zahlungsfähig zu halten. Das bedeutet, dass Gläubiger und Anteilseigner möglicherweise alles verlieren, wenn eine große Bank in Europa pleitegeht.

Und wenn deren “Zuwendungen“ nicht ausreichen um die Bank zu retten, dann werden private Bankkonten einem “Haircut“ unterzogen, wie wir es in Zypern gesehen haben. Tatsächlich wird die Farce die wir in Zypern beobachten konnten als “Blaupause“ für einen Großteil der neuen Rechtsprechung benutzt, die in ganz Europa erlassen werden wird.

Viele Amerikaner nehmen an, dass sie, wenn sie Geld auf die Bank tragen, auch das Recht haben hinzugehen und “ihr Geld“ abzuheben wann immer sie wollen. Aber wenn wir alle zugleich zur Bank gehen, dann wäre nicht annähernd genug Geld für uns alle vorhanden. Der Grund dafür ist, dass die Banken nur einen kleinen Teil unseres Geldes bereithalten, um die Forderungen jener zu befriedigen, die auf täglicher Basis Geld abheben. Die Banken nehmen den Rest des von uns eingezahlten Geldes und machen damit was sie für das Beste halten.

Wenn Sie Geld in einer untergehenden Bank haben, dann wird die Bank nach wie vor verpflichtet sein Sie auszubezahlen, aber sie mag nicht in der Lage dazu sein. An dieser Stelle kommt die FDIC [Federal Deposit Insurance Corporation – US-Einlagensicherung] ins Spiel. Die FDIC garantiert angeblich die Sicherheit der Einlagen bei ihren Mitglieder-Banken, aber sie selbst hat zu jeder Zeit nur sehr, sehr wenig Geld zur Hand.

Wenn eine große Krise daher kommt, welche Banken überall in den Vereinigten Staaten wie Dominosteine fallen lässt, dann wird die FDIC im Panikmodus sein. Während eines solchen Szenarios würde die FDIC gezwungen sein, den Kongress um massive Mengen Geld bitten und da wir jedes Jahr bereits ein gigantisches Defizit fahren, müsste sich die Regierung die benötigten Gelder leihen.

Ich persönlich finde es sehr interessant, dass wir umfassende Regeländerungen in Europa und bei der Federal Reserve gesehen haben, während wir gerade in eine neue globale Finanzkrise eintreten. Wissen die etwas, was der Rest von uns nicht weiß?

Seien Sie sehr vorsichtig mit ihrem Geld, denn ich bin überzeugt davon, dass “Bail-Ins“ für Banken sehr bald auf der ganzen Welt für Schlagzeilen sorgen werden.

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>>> zum englischsprachigen Original-Beitrag

Übersetzung aus dem Englischen vom Nachtwächter


Tags: Banken Krise Bail-In Geld Einlagensicherungsfond